• Mona Moirè de Mirande

Pessach, Ostern, Ramadan – Hochfeste der drei Weltreligionen zur gleichen Zeit

Nur selten fallen wichtige religiöse Feste von Juden, Christen und Muslimen so deutlich zusammen wie an diesem Wochenende.


Ein Gott und verschiedene Kalender; die monotheistischen Religionen feiern zwar nicht gemeinsam, aber zum gleichen Termin. An diesem Freitag, 15.April 2022 gedenken die Christen der Kreuzigung Jesu, in der Nacht zum Sonntag mit dem Osterfest seiner Auferstehung. Die Juden begehen am Freitag den Vorabend des Pessach Festes, dass an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und damit an das Ende der Sklaverei erinnert. Die Muslime haben einen weiteren Freitag, ihren wöchentlichen Feiertag, innerhalb des Fastenmonats Ramadan, der heuer am 2. April begann und am 2. Mai endet und in seinem Verlauf intensiver wird. Dieses Zusammentreffen ist ungewöhnlich, vor allem was die Nähe des islamischen Ramadans zur christlichen Fastenzeit beziehungsweise zum Pessach- und Oster-Termin betrifft.


Im kleinen, familiären Rahmen kommt es durchaus öfter vor, dass durch Eheschließungen, sogenannten wilden Ehen, Freundschaften, Religionskonvertierungen ganz selbstverständlich Juden, Christen, Muslime und Agnostiker gemeinsam Feste feiern und durch gegenseitige Wertschätzung in Vielfalt leben. Warum? Weil weltoffene Personen bei Begegnungen nicht nach deren Religion fragen, sondern einfach auf das Menschsein achten.


Anders als der vom Lauf der Sonne bestimmte christliche Kalender, der die westliche Welt prägt, ist der islamische Kalender konsequent am Mond und am Mondjahr ausgerichtet. Zwölf Monate dauern im Sonnen-Jahr gut 365 Tage, im Mondjahr dagegen nur 354 Tage. So "wandern" das Jahr und der Festkreis des Islam im Laufe von gut drei Jahrzehnten durch das westliche Kalenderjahr.


Der kürzere Jahreslauf biete Muslimen die Chance, sowohl den Ramadan als auch andere Feste in verschiedenen Jahreszeiten und verschiedenen klimatischen Bedingungen zu erleben, und zugleich sorge es dafür, dass die Feste der Muslime im Laufe der Zeit mit unterschiedlichen Festen von Christen und Juden zusammenträfen. Dies sollte uns jeweils erinnern, dass wir alle Geschwister sind in der Menschlichkeit und wir gemeinschaftlich für das Gute einstehen müssen.


Das jüdische Pessach Fest und der Ostertermin der westlichen Kirchen liegen dagegen stets recht nah beieinander im frühen Frühjahr. Aber auf den gleichen Termin fallen sie auch nicht oft. 2022 beginnt Pessach am 16. April, die "heiligen Tage" der Christen beginnen mit Palmsonntag und dauern dann vom Gründonnerstag-Abend am 14. April bis zum Sonntagmorgen, von der Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern bis zur Feier der Auferstehung. Der Unterschied ist darin begründet, dass der christliche Kalender seit dem Jahr 325 das Osterfest auf Sonntag terminiert, auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Im jüdischen Kalender kann das Pessach Fest dagegen an jedem Wochentag beginnen.


Ostern in der Orthodoxie:

Nach diesem Wochenende sind die Osterfeiern allerdings längst noch nicht vorbei, auch nicht in Jerusalem. Denn für die Orthodoxie und einige mit der katholischen Kirche verbundenen Kirchen des Ostens steht das Gedenken an Tod und Auferstehung Jesu erst am nächsten Wochenende an. Grund dafür ist, dass die Ostchristen eine im Jahr 1582 unter Papst Gregor XIII. erfolgte Präzisierung durch eine Kalenderreform, die Hinwendung zum sogenannten Gregorianischen Kalender, nicht mitmachten und sie dadurch den Frühlingsanfang in den meisten Jahren anders terminieren.


So feiern Griechen, Russen und weitere Ost-Christen Ostern in diesem Jahr eine Woche nach den Westchristen. Und es bereiten sich gerade ukrainisch-sprachige Gemeinden auf großen Andrang vor. Sie erwarten viele Christen, die in den vergangenen Wochen vor der russischen Aggression aus ihrer Heimat geflohen sind.


In Russland bekennen sich rund 75 Prozent der Menschen zum orthodoxen Christentum, in der Ukraine etwa 60 Prozent. Wie verhalten sich ihre Kirchen in diesem Krieg? Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine treibt einen Keil in die orthodoxe Kirche. Während der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill in Moskau den Krieg rechtfertigt, wird er in den ukrainisch orthodoxen Kirchen verurteilt - sowie auch von einigen Priestern in Russland. Die Ukraine ist von religiöser Vielfalt geprägt.


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